Elternprotest für Hebammen in Jena

Heute, zum Internationalen Frauentag habe ich mal was gemacht, was ich zuletzt in der 5ten Klasse gemacht habe: Zu einer Demo gehen.

Warum Elternprotest für Hebammen?

Der Anlass dazu war die akute Problematik aller freiberuflichen Hebammen, im nächsten Jahr noch arbeiten zu dürfen bzw. zu können. Wie schon oft berichtet (bspw. hier, hier oder hier) steigen die Haftpflichtbeiträge für freie Hebammen jedes Jahr, und der Sprung des Beitrags im nächsten Jahr wird für viele nicht mehr bezahlbar. Hinzu kommt, dass sich der letzte große Haftpflichtversicherer aus dem Hebammengeschäft zurückzieht und damit ab Juli 2015 die Hebammen ihrem Beruf nicht mehr nachkommen können. Und da für die Beratung und Vorsorge nicht wie bei überflüssigen Berufsständen wie Anwälten oder Unternehmensberatern Stundensätze jenseits der 200 Euro verlangt werden kann, lässt sich von diesen alleine auch nicht leben. Ein toller Radiobeitrag des MDR ist hier zu finden.
Und nochmal für alle: Es geht hier nicht nur um Hausgeburten oder Geburtshäuser, die damit wegfallen, sondern auch um Frauen, die in Kliniken entbinden. Für ALLE wird es keine Schwangerenvorsoge und Wochenbettbetreuung mehr geben!!!

Als Teil der Elternprotestgruppe Jena wollten wir heute zeigen, dass wir von der Politik zügig Handlungen erwarten, um den Berufsstand der Hebammen zu sichern. Um 9.30 Uhr ging es heute los mit den Vorbereitungen:

Demo Elternprotest Vorbereitungen

Ich hatte je ehrlich gesagt etwas bammel, dass wir eine halbe Stunde später mit lumpigen 100 Leuten durch die Stadt laufen. Zum Glück kam es anders. Der Holzmarkt füllte sich gegen 10 Uhr immer schneller, und sogar die Trommlergruppe Afrobeat aus Weimar machte ordentlich Ramba-Zamba.

Afrobeat macht Stimmung

Dann ging es los, und es wurden immer mehr. Zusammen mit meiner Tochter war ich dann im Pulk verschwunden und sah teilweise weder Ende noch Anfang der Demo. Als dann eine der Organisatorinnen mit einem Schild “1000 Demonstanten laut Polizeiangaben” durch die Reihen lief, wurde es uns ganz anders. Die Organisatoren schätzen sogar weitaus mehr, wenn man die große Anzahl an Babys und Kindern bedenkt.

Demo Elternprotest

Sehr lustig war, dass die Organisatoren beim Ordnungsamt ca. 500 Demonstanten anmelden wollten, der freundliche Sachbearbeiter aber meinte, “Da kommen eh nicht mehr als 100-150”. Nun ja.
Auf dem Weg habe ich dann noch fleißig getwittert und gelesen, was sonst so los ist. Die Zahlen, von denen ich erfahren habe:

  • Stuttgart: 250
  • Leipzig: 300
  • Köln: 500 über 1000
  • Frankfurt/Main: 600
  • Karlsruhe: 1400

Für ein (Groß-)Städtchen mit ca. 100.000 Einwohnern können wir verdammt stolz sein, eine dermaßen große Anzahl Teilnehmer zusammen bekommen zu haben! :-))

Nachtrag: Ein Video der Demo gibt es jetzt bei Youtube

Wieder zuhause bin ich froh, dass die bundesweite Aktion doch langsam ihren Weg in die Presse findet, z.B. im Focus oder der Tagesschau/HR.

Was kann man tun?

  1. Auf jeden Fall die Petition mit unterzeichnen: Change.org.
  2. Bei der Hebammenunterstützung vorbeischauen.
  3. Weitererzählen!

2 thoughts on “Elternprotest für Hebammen in Jena”

  1. Hallo Andreas,

    vielen Dank für deine Unterstützung und für deinen Blog-Eintrag!
    Ich habe noch eine Korrekturanmerkung: In Köln waren wir gestern über 1.000 Demonstranten. Die Angaben der Polizei werden da scheinbar immer etwas “nach unten” korrigiert :-(

    Viele Grüße,
    Katharina aus Köln

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